08.11.06 14:00 Alter: 4 yrs
Nachbetrachtung IRONMAN Hawai`i 2006
Von: Alex taubert
Nachdem die Saison 2006 aus meiner Sicht nicht unbedingt zufrieden stellend verlaufen war, hatte ich mir für meine 16. Teilnahme auf Hawaii eine Platzierung unter den ersten zehn zum Ziel gesetzt. Wenn man dort schon als Profi startet, wäre es natürlich vorteilhaft irgendwie Geld zu verdienen und schon der elfte Platz geht nun mal ohne Cash nach Hause.
Da ich mich auf der Insel immerhin schon viermal einstellig platzieren konnte, erschien mir dieses Vorhaben durchaus realisierbar und nicht all zu absurd.
Immerhin, die Vorbereitung, speziell auf Mallorca mit „Chefanimateur“ Sauerland, lief sehr gut und die Form vor dem Rennen war viel versprechend. Keine körperlichen Gebrechen, kein Darmvirus, beschwerdefrei also. Einzig und alleine ließ vielleicht die Fokussierung auf das Rennen unmittelbar davor zu wünschen übrig, was aber mit der inzwischen vortgeschrittenen Anzahl der Jahre in Zusammenhang stehen könnte, wer weiß!?
Am Rande sei noch erwähnt, dass man auch nach sechzehn Jahren immer noch neue Erfahrungen machen kann. Dazu kann durchaus ein Erdbeben zählen, welches Autofahrer glauben lässt, alle vier Reifen seien auf einmal platt oder ein Getränk vom Vorabend sei tatsächlich schlecht gewesen!
Der Wettkampftag:
Zugegeben, geschlafen wird in der Nacht vor dem Rennen nicht unbedingt viel und schon gar nicht am Stück! Gerne zählt man zunächst die noch verbleibenden Stunden, später dann die Minuten, bis schließlich der Wecker gegen vier Uhr bimmelt. Zudem verfeinern diverse Toilettenbesuche die Wartezeit bis zum Aufstehen.
Dann läuft alles wie im Film ab: Schon sitzt man im Auto auf dem Weg zum Start und kann sich nicht mehr daran erinnern, wie man die vergangenen 30 Minuten mit Anziehen, Nahrungsaufnahme und Sachen zusammenpacken verbracht hat.
Raus aus dem Auto, von mindestens einer Million Helfern zuerst umständlich zum Bedrucken und von einer weiteren Million Freiwilliger zur Wechselzone geleitet.
Rad aufpumpen, Flaschen und Schuhe dran, noch mal in die Plastikbox und schnell raus, nach Möglichkeit weit weg von der allgemeinen Hektik und die letzten 30 bis 40 Minuten versuchen, sich mental auf die anstehende sportliche Betätigung der nächsten (mehr oder weniger) neun Stunden vorzubereiten.
Gegen 6:30 Uhr ab ins Wasser und warten bis der Startschuss kracht!
Ich muss sagen, die Entscheidung, mehr vom Rand aus zu starten, um dem großen Gewühle zu entgehen, erwies sich als sehr klever. Selten bin ich so gut losgeschwommen und konnte mich gleich in einer Gruppe mit vielen Favoriten positionieren, mit der ich später an Land gespült wurde. Wie sich herausstellen sollte, unweit hinter der Spitze.
Zunächst erfreute ich mich des geringen Abstands von weniger als einer Minute zum Führenden und alles schien zu laufen, wie zuvor mit dem Headcoach besprochen. Doch leider wurde die Anfangseuphorie schnell zerschlagen und wich dem großen Frust, nachdem ich schon nach ca. 5 Kilometern eine mehr als zweifelhafte Zeitstrafe wegen Windschattenfahrens bekam. Zugegeben, in der Anfangsphase des Radfahrens, die jedes Mal von allgemeiner Hektik und ständigen Überholmanövern geprägt ist, war der Abstand vielleicht nur fünf oder sechs Meter (wenn auch bergauf!), anstatt der vorgeschriebenen sieben und die Strafe demnach vertretbar, aber manchmal wünscht man sich als Athlet doch ein wenig Fingerspitzengefühl seitens der Wettkampfrichter, besonders während eines Rennabschnitts, in dem sich das Feld gerade sortiert. Ärgerlich mit anzusehen war dann später das fehlende Durchgreifen bei Gruppenbildungen, als der vorgeschriebene Mindestabstand gerne mal auf zwei Meter oder weniger, zusammenschrumpfte und dies die Wettkampfrichter nicht weiter zu stören schien. Wie gerne wäre auch ich, so wie andere Mitstreiter, bei meinem ersten „Vergehen“ erstmal auf den vielleicht zu geringen Abstand hingewiesen worden, ohne gleich vier Minuten zu kassieren!
Auf Tri2be.de habe ich in nach dem Rennen einem Bericht über dieses Thema gelesen, in dem meine Situation sehr treffend beschrieben wird. Demnach wurde ich Opfer einer patriotisch ausgelegten Windschattenregel, was bedeutet, hinter bekannten amerikanischen Athleten zu fahren, kann manchen Herren in gestreiften Hemden missfallen, was wiederum die Karten sehr locker sitzen lässt!
Vielleicht aber haben einige der Herren Probleme mit dem metrischen System, was nicht verwundert, lebt man in einem Land, das von „feet“ und „inches“ beherrscht wird. Das kann schon mal zu Irritationen führen, sollte es allerdings nicht.
Möglicherweise gibt es aber noch eine andere Erklärung!?
Was soll`s, ich bekam die Zeitstrafe, musste damit leben und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Die neue Regel besagt, dass eine Zeitstrafe noch auf der Strecke abgesessen werden muss, d.h. ich sollte das erste „Penalty-Zelt“ nach 54 Km ansteuern.
Um nicht zu viel Zeit zu verlieren, versuchte ich noch vor der zweiten Verfolgergruppe dieses zu erreichen und stieg an etwa zehnter Position liegend dort vom Rad.
Vier Minuten können sehr lang sein, viele Konkurrenten fahren während dieser Zeit vorbei und was soll ich sagen, es wartet keiner!
Als ich nach genau vier Minuten und dreißig Sekunden (auch amerikanische Uhren scheinen anders zu laufen!) wieder Fahrt aufnahm, war die Gruppe natürlich schon über viele Berge und mit bloßem Auge nicht mehr erkennbar. Leider ließ ich Rhythmus und Motivation im Zelt zurück und nach kurzer aber präziser Analyse war ein Abbruch des Rennens nicht mehr auszuschließen. Die Tatsache, dass ich kurz nach dem Wendepunkt in Hawi anhalten und umdrehen musste, um meine persönliche Verpflegung zu bekommen, schien der angespannten Situation sehr zugänglich und trug nicht unbedingt dazu bei, meine inzwischen erlangte, wettkampfverneinde Gemütslage wieder aufzubauen.
Wenn mich jedoch etwas stört, dann der Gedanke, ein Rennen vorzeitig zu beenden, vor allem auf Hawaii. Bei fünfzehn Teilnahmen hatte ich immer das Ziel gesehen und beim sechzehnten Mal sollte dies nicht anders sein!
Sicherlich war es nicht einfach als 41. den abschließenden Marathon anzutreten,
aber mit meiner wahrscheinlich größten Motivationsleistung bisher, kam ich letztendlich auf Platz 29 ins Ziel.
Nicht schlecht, nicht besonders gut, aber immer noch besser als vorzeitig aufzugeben!
Und wieder was Positives mitgenommen.
Last but not least möchte ich mich noch bei all meinen Sponsoren bedanken, die mir das Unternehmen Hawaii`06 und mein Dasein als Triathlet ermöglicht haben!
Aloha und mahalo,
Alex
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